Lyrik und Erzählung

Metaphorische Transgressionen zwischen Minnesang und Minneroman des 12. bis 14. Jahrhunderts


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Modul A: Transgression und Inversion. Generische Interferenzen zwischen Minnesang und frühem Minneroman.

Prof. Dr. Hartmut Bleumer: Lyrischer Mythos

Die narrative Verwandlungen der Metapher zwischen Minnesang und Minneroman

Dass der Minnesang auf eine geradezu intrikate Weise mit narrative Strukturen operiert, dass er seine Vorstellungen des Subjekts und der Minne über Geschichten entwirft, die er performativ aufscheinen lässt und wieder zum Verschwinden bringt und dabei seinen lyrischen Diskurs in den narrativer Diskurs hinüberspielen lässt, spiegelt sich in seinem doppelten Verständnis von Metaphern wider. Der Minneroman zeigt die umgekehrte Tendenz: Wo von Minne erzählt wird, scheinen sich die Diegesen bisweilen von ihrem metonymischen Verständnis zu lösen und in methaphorische Welten zu verwandeln. Wie ist dieser Wandlungsprozess terminologisch zu erfassen und was sind seine zentralen Phänomene in der deutschen Literaturgeschichte des 12. und dreizehnten Jahrhunderts? Das Projekt möchte zur Bearbeitung dieser Frage ein konzeptionelles Angebot von Seiten der historischen Narratologie und Medialitätsforschung bereitstellen, das in exemplarischen Studien praktisch erprobt wird.

Modul B/Teilmodul 1: ‚Narrative Lyrik. Minnesang des 12.-14. Jahrhunderts‘.

Differenziert nach den Ebenen von histoire, discours und narration, d.h. konkret hinsichtlich der Minnegeschichte, ihrer möglichen Komposition im Lied und ihrer erzählerischen oder sängerischen Medialisierung, ermittelt das Teilprojekt zunächst ein Repertoire narrativ exponierter, metaphorischer Topoi des Minnesangs als Arbeitsinstrument. Dieses bietet die Grundlage einer ersten exemplarischen Studie:

Diana Roever: Metaphern und Narrativierungen von Nähe und Distanz im Minnesang

Untersucht werden zwei Textkomplexe aus dem Bereich der mittelhochdeutschen Liebeslyrik: Kreuzlied und Tagelied in ihren Spezifikationen und Schnittpunkten. Dabei kann das Neidhartkorpus als medial besonders interessante Verbindung von Kreuz- und Tagelied gelten. Konkret sind die Narrativierungen zu betrachten, die Topoi von Nähe und Distanz auf Handlungsebene der Lyrik erfahren. Einen zweiten Zugang bildet die Diskursebene. These ist dabei, dass der Gegensatz zwischen Nähe und Distanz das Feld der mittelhochdeutschen Minnelyrik dreifach dynamisiert: A) auf Handlungsebene (Nähe Tagelied, Distanz Kreuzlied), B) auf Diskursebene (Nähe Situationsverschmelzung, Distanz Situationsspaltung) und C) auf gattungsübergreifender Ebene (Nähe Lyrik, Distanz Narration).

Modul B/Teilmodul 2: ‚Lyrische Topoi der Narrativik. Minneromane des 12.-14. Jahrhunderts‘.

Im Gegenzug zum Katalog narrativer Topoi der Lyrik wird eine Bestandsaufnahme möglicher metaphorischer Inversionen lyrischer Topoi der Narrativik des 12.-14. Jahrhunderts in Orten der Diegese, Handlungen der dargestellten Figuren und Erzähleräußerungen ermittelt. Er bietet die Grundlage einer zweiten exemplarischen Studie:

Patrick Lange: Das Ich zwischen Narration und Performanz

Das erzählende Ich in höfischer Epik des 12. bis 14. Jahrhundert

Weite Teile der mediävistischen Forschung gehen bei höfischen Text von einer Art Aufführung – der sogenannten Performanzsituation – aus. Auf wen bezieht sich dann das ‚Ich‘, wenn der Vortragende ‚ich‘ sagt? Auf den Sänger? Auf den mündlichen Erzähler oder den Vorlesenden? Auf den Autor? Vor dem Hintergrund der Performanzsituation wird diese Fragen an Hand des ‚erzählenden Ichs‘ in höfischen Romanen des 12. bis 14. Jahrhundert in meinem Promotionsprojekt betrachtet. Dazu werden Aspekte der historisch-narratologischen Diskussionen um die Erzählinstanz und mediävistische Überlegungen zur Medialität des sog. lyrischen Ichs als Ausgangspunkt gewählt, um von hier aus sowohl generische Transgressionen zwischen Minnesang und Roman als auch die Medialität zwischen Mündlichkeit und Schriftlichkeit zur Untersuchung des ‚Ichs‘ heranziehen zu können.

Patrick Lange
Diana Roever
Seminar für Deutsche Philologie
Raum 2.227
Käte-Hamburger-Weg 3
D-37073 Göttingen
Tel. +49-551-39 4458
E-mail: patrick.lange@phil.uni-goettingen.de
diana.roever@phil.uni-goettingen.de

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